Die Ernte – Handarbeit mit Hingabe und Tradition

Die Ernte – Handarbeit mit Hingabe und Tradition

Die Erntezeit in den Bergen von Chiapas ist mehr als nur ein landwirtschaftlicher Vorgang – sie ist ein intensiver, gemeinschaftlicher Kraftakt, der das Leben der Kaffeebauern über Wochen hinweg bestimmt. Wenn die Kaffeekirschen ihre tiefrote Farbe annehmen, beginnt ein Zyklus, der Körper und Geist fordert, aber auch verbindet.

Ein Tag beginnt mit der Sonne

Für viele Familien beginnt der Tag noch vor Sonnenaufgang. Die Bauern machen sich auf den Weg zu ihren Feldern, oft zu Fuss über steile Pfade, die sich durch die nebelverhangenen Wälder schlängeln. Die Felder liegen oft mehrere Kilometer entfernt, und der Weg dorthin ist beschwerlich – besonders bei Regen, wenn die Pfade rutschig und gefährlich werden.

Die Arbeit beginnt mit dem sorgfältigen Pflücken der reifen Kirschen. Dabei ist Geduld gefragt: Jede Kirsche wird einzeln geprüft, denn nur die vollreifen Früchte enthalten die gewünschte Aromavielfalt. Diese selektive Ernte – auch „Picking“ genannt – ist besonders arbeitsintensiv, aber sie garantiert höchste Qualität. Unreife oder überreife Kirschen bleiben am Strauch oder werden aussortiert.

Familienarbeit mit Tradition

Die Ernte ist ein Familienprojekt. Männer, Frauen arbeiten gemeinsam. Die Bauern und Erntehelfer pflücken und tragen die schweren Jutesäcke, die oft 50 bis 60 kg wiegen, auf dem Rücken nach Hause.

Diese Arbeit ist nicht nur körperlich fordernd, sondern auch emotional bedeutend. Sie verbindet Generationen, stärkt Gemeinschaften und vermittelt Werte wie Geduld, Respekt und Verantwortung.

Werkzeuge und Techniken

Die Ernte erfolgt mit einfachen, aber effektiven Werkzeugen: Körbe zum Sammeln der Kirschen, Macheten zum Freischneiden der Wege, Handschuhe zum Schutz vor Dornen und Insekten. In den steilen Hängen der Sierra Madre sind Maschinen kaum einsetzbar – hier zählt die Erfahrung der Hände und Augen. Die Bauern wissen genau, wann eine Kirsche reif ist, wie man sie am besten pflückt, ohne den Strauch zu beschädigen, und wie man die Qualität schon beim Sammeln sichert.

Klima und Höhenlage – ein Geschenk und eine Herausforderung

Die Höhenlagen von 1.300 bis 1.700 Metern und das feuchte, tropische Klima sind ideal für den Anbau von Arabica-Kaffee. Doch sie bringen auch Herausforderungen mit sich. Die Erntezeit fällt oft in die trockeneren Monate, doch plötzliche Regenfälle können die Arbeit erschweren. Zudem macht der Klimawandel den Bauern zu schaffen: Unregelmässige Niederschläge, steigende Temperaturen und neue Pflanzenkrankheiten wie „Roya“ (Kaffeerost) bedrohen die Ernte und zwingen die Bauern, ihre Methoden ständig anzupassen.

Die Bedeutung der Ernte für die Gemeinschaft

Die Ernte ist der Höhepunkt des Jahres. Sie entscheidet über das Einkommen der Familien, über Investitionen in neue Setzlinge oder Reparaturen am Haus. Gerade einer Zeit wo die Arbeit aufgrund des Klimawandels für die Kaffeebauern immer schwieriger wird, gibt es immer mehr „Coyotes“ welche den Kaffee möglichst günstig versuchen einzukaufen um ihn mit möglichst grosser Marge zu verkaufen, damit sie selber einen grossen Gewinn machen können. Ein hoher Börsenpreis alleine bedeutet nicht, dass auch mehr Geld bei den Bauern ankommt. Hier geben wir bei Café Don Sombrerito gegensteuern. Dank der verbindlichen Abnahme können die Bauern sich auf die Ernte konzentrieren und müssen sich keine Sorgen um ihr Einkommen machen.

Ein Blick hinter die Bohne

Wenn du eine Tasse Kaffee aus Chiapas geniesst, schmeckst du mehr als nur ein Getränk. Du schmeckst die Mühe eines Bauern, der bei Sonnenaufgang losgezogen ist. Du schmeckst die Sorgfalt einer Familie, die jede Kirsche geprüft hat. Du schmeckst die Geschichte eines Landes, das seine Natur liebt und schützt. Die Ernte ist der Moment, in dem all diese Elemente zusammenkommen – und der Kaffee beginnt, seine Geschichte zu erzählen.

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